Schrei Baby, Schrei!

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Wenn der Geduldsfaden reisst und zu härteren Bandagen gegriffen werden muss.

In meinem letzten Beitrag Mit Schreien Schlafen lernen? beklagte ich mich über die schlechten Schlafgewohnheiten von Mr. T. Dass er seit Monaten nicht durchschläft und bei uns nächtliches Marschieren mit Baby im Arm auf der Tages(Nacht-)ordnung steht. Was sollten wir tun? Sollten wir ihn einfach schreien lassen? Fragen, die uns vor ziemlich genau drei Woche noch sehr beschäftigten. Nun gut, es gibt Neuigkeiten zu berichten.

Eine Nacht wie die andere

Zwei Tage nach meinem letzten Beitrag war wieder so eine Nacht. Der Kleine nickte beim Abendfläschchen fast weg und liess sich im Anschluss nach ein paar Minuten herumtragen problemlos ins Bett legen. Gegen Mitternacht als Mutti und ich erst gerade in den Schlaf finden sollten, fing die Party mal wieder an. Der Kleine wachte auf, kletterte an den Bettgittern hoch und fing an, nach uns zu schreien. Also starteten wir das übliche Prozedere: meine Frau ging zu ihm, nahm ihn in den Arm und versuchte ihn zu beruhigen. Was zunächst auch ganz gut klappte. Bei jedem Versuch ihn ins Bett zu legen, wachte er aber sofort wieder auf und das Spielchen fing wieder von vorne an. Eineinhalb Stunden. Bis meine Frau völlig entnervt zu mir ins Zimmer zurück kam und mich bat zu übernehmen.

Also ging ich zu ihm, nahm ihn in den Arm und lief herum. 10min, 15min, 30min… bis ich das Gefühl hatte, dass der Kleine richtig entspannt war und schlief. Dann leget ich ihn vorsichtig ins Bett und… Aaaaah! OK, das war nichts. Wieder von vorne. Mr. T. liegt immer seitlich in meinen Armen mit dem Kopf auf meinem Unterarm abgestützt. So hat er es am liebsten. Aber das ist echt anstrengend. Nach einer Stunde merkte ich langsam wie meine Arme müde wurden. Also nahm ich ihn hoch auf meine Brust, sodass er den Kopf auf meiner Schulter anlehnen konnte. Doch das passte ihm gar nicht. Anstatt sich erkenntlich zu zeigen, dass ich ihn weit über eine Stunde auf dem Arm herumspazieren führte, fing er an zu motzen und sich von mir weg zu stossen. Wie wild fuchtelte er herum, um mir klar zu machen: “Hey, spinnst du? Das ist nicht meine Lieblingsposition!” Als er dann noch anfing an meinen Haaren zu ziehen, riss bei mit endgültig der Geduldsfaden.

Sorry Liebling, aber jetzt hast du es dir verspielt

Ich legte ihn in sein Bett und ging zurück in unser Schlafzimmer. Meine Frau schaute mich mit grossen Augen an und fragte: “Was machst du?” Worauf ich antwortete: “Ich hab’ keinen Bock mehr! Wir ziehen diese Schrei-Therapie* jetzt durch, fertig!” Meine Frau schien von dem gewählten Moment nicht sonderlich begeistert zu sein. Tatsächlich ging sie nochmals zu ihm und nahm ihn auf. Aber diese Nacht wollte er einfach nicht alleine Schlafen, obwohl er eigentlich hundemüde war. Nach wenigen Minuten kam sie resigniert ins Bett zurück.

Es ist schwierig zu umschreiben, was danach im Kinderzimmer abging. Der Kleine hat sich regelrecht die Seele aus der Brust geschrien. So als würde er in Flammen stehen. Dabei stand er meist am Bettrand und rüttelte so fest er konnte an den Seitengittern des Betts. Tränen und Rotz liefen ihm das Gesicht hinunter. Er schrie so laut, dass er heiser wurde und hustete. In regelmässigen Abständen gingen wir zu ihm ans Bett zurück und versuchten ihn zu beruhigen. Doch alles streicheln und gut zureden half nichts. Im Gegenteil. Jedes Mal wenn wir sein Zimmer betraten, wurde er noch lauten und noch hysterischer. Sogar seine Nuggis warf er aus dem Bett! In 10 Monaten Papasein waren das mit Abstand die schlimmsten 75min! Denn genau solange dauerte diese traurige Episode. Keine Ahnung ob er dann eingeschalfen, oder einfach vor Erschöpfung zusammen gebrochen ist. Auf jeden Fall war dann bis zum nächsten Morgen Ruhe.

Hast du Papa und Mama noch lieb?

Am nächsten Morgen wachte er auf, kurz bevor ich zur Arbeit musste. Meine Frau und ich haben uns die ganze Nacht gefragt, wie seine Stimmung am nächsten Morgen wohl sein würde. Zu unserem Erstaunen war das ein Morgen wie jeder andere auch. Er wachte auf und strahlte bis über beide Ohren. Es gab sogar ein kleines Begrüssungs-“Uuh!” und das obligate von Papas- in Mamasarme hin und zurück Spielchen. Eigentlich so wie immer. Es schien, als wären die Qualen der letzten Nacht komplett vergessen. Zum Glück! Das war sehr beruhigend für uns.

Nun gab es aber kein zurück mehr. Dasselbe Vorgehen mussten wir auch für sein Morgen- und Nachmittagsschlaf anwenden, sonst wäre die Schrei-Therapie von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Als es dann neun Uhr war, brachte meine Frau den Kleinen ins Bett. Wie in der Nacht zuvor fing er sofort an zu schreien und steigerte sich wieder extrem in die Situation hinein. Wieder reagierte er noch heftiger, wenn sie nach einigen Minuten nach ihm sah. 25min später schlief er ein. Interessanterweise umgekehrt im Bett, halb auf dem Stillkissen, das immer am Bettende liegt, und in Bauchlage. Letzteres war für Mr. T. sehr ungewöhnlich. Am Nachmittag dann dasselbe Spiel. 20 Minuten lang schrie er unzufrieden vor sich hin. Bis er sich wieder im Bett drehte, sein Kopf auf das Stillkissen legte und auf dem Bauch einschlief. Und dann kam die Nacht. Nach 12 Minuten schlief er umgekehrt im Bett, halb auf dem Stillkissen und in Bauchlage.

Der nächste Tag war mein Papatag mit dem Kleinen. Also hatte ich die Verantwortung die Schrei-Therapie fortzusetzten. Ich hielt mich strikt an unsere Zubettgehrituale. Doch anstatt ihn wie üblich in Seitenlage in die “richtige” Richtung ins Bett zu legen, drehte ich ihn von Anfang um, sodass er schneller in seine offensichtlich neue Lieblingsschlafposition finden konnte. Es dauerte jeweils wenige Minuten und der Kleine schlief tief und fest. In der Nacht gerade mal 1 Minute. Danach schlief er die ganze Nacht durch!!!

Lektion gelernt

Nicht um sonst behaupte ich ja, dass Mr. T. das klügste Baby der Welt ist. Nach zwei Tagen hat er tatsächlich gelernt von alleine zu schlafen. Klar findet er den Moment wenn wir ihn ins Bett legen und das Zimmer verlassen nicht toll. Doch sein Frust dauert nun in aller Regel keine drei Minuten. Seit knapp drei Wochen schlafen meine Frau und ich die Nächte durch. Wir bekommen so viel Schlaf, dass wir Morgens müde sind vom vielen Schlafen. Was aber noch viel wichtiger ist: Der Kleine bekommt endlich die Anzahl Stunden Schlaf, die meines Erachtens eher einem zehn Monate altem Baby entsprechen.

Es ist nicht meine Absicht Werbung für eine solche Schrei-Therapie zu machen. Es wäre mir viel lieber gewesen, hätten wir nie zu solch drastischen Massnahmen greifen müssen. Alleine die erste Nacht… Schlimm! Doch an diesem Punkt angelangt, fühlten wir uns gezwungen etwas zu ändern. Uns dreien hat es sehr geholfen. Das Beste bleibt natürilch die Kleinen von Anfang an nicht ans Herumtragen etc. zu gewöhnen.

 

*Mit Schrei-Therapie meine ich übrigens die Anleitung gemäss dem Buch ‘Jedes Kind kann schlafen lernen’ von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth. Eltern die Kinder mit Schlafproblemen haben, werden diesem Buch früher oder später über den Weg laufen. Dieses Buch gibt Eltern genaue Anweisungen, wie sie unter anderem das “Schreien lassen” richtig anwenden. Immer mit dem Ziel, dass das Kind eben von selbst schlafen lernt, aber eben nicht das Gefühl bekommt, alleine zu sein (siehe auch Mit Schreien Schlafen lernen?).

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2 Comments

  1. Interessant. War bei meinen Twins ähnlich. Hat ne Zeit lang gut geklappt. Aber glaube mir, das verlernen sie wieder. Ich glaube der Prozess wird länger dauern, bis sie selbständig einschlafen wollen. Be strong

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