Mit Schreien Schlafen lernen?

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Das Kind doch Nachts einfach mal schreien lassen… Ist das Erziehung oder doch nur ein reiner Verzweiflungsakt?

Wer diesen Blog regelmässig liesst weiss, dass Mr. T. zwar das klügste Baby der Welt ist, er es aber mit dem Schlafen nicht so hat. Zu Beginn hatten wir riesig Mühe ihn ins Bett zu bringen. Kaum hatte man ihn abgelegt, fing er an wie am Spiess zu schreien. Das Spielchen konnte sich locker über Stunden hinziehen. Man konnte fast meinen seine Matratze wäre mit flüssiger Lava gefüllt.

Seit dem Mr. T. krabbeln und sich an allem was in Griffweite hochziehen kann, ist er Abends so kaputt, dass das Problem vom ins Bett gehen sich von selbst gelöst hat. Ich könnte Wetten der hat Abends immer üblen Muskelkater. Das sind unzählige Baby-Klimmzüge, die sich der Kleine jeden Tag beim Hochziehen am Wohnzimmertisch gibt. Auf jeden Fall ist er Abends so müde, dass er kaum sein Fläschchen fertig trinken mag, ohne dabei regelrecht in den Schlaf zu kollabieren.

Das wäre wohl zu einfach gewesen

Das Problem ist neuerdings (seit 4 Monaten!!!), dass er in der Nacht regelmässig aufwacht und meistens nicht wieder von alleine einschläft. Das Best-Case-Scenario ist, wenn er seinen Nuggi verliert und er sich damit zufrieden gibt, wenn er diesen wieder hat. Das geht 10 Sekunden – Papa steht auf, Nuggi rein, Papa geht wieder ins Bett, fertig. Ganz easy! Anstrengend wird es, wenn der Kleine aus irgendeinem Grund keinen Bock mehr hat zu schlafen. Dann turnt er so lange im Bett herum, bis er es schafft sich in seinem Schlafsack an den Seitengittern seines Bettchens hochzuziehen und wartet bis Papa oder Mama zu ihm kommen. Selbstverständlich wird dieses Turnspektakel von einer Symphonie an hysterischem Babygeschrei begleitet.

Ich verstehe nicht ganz was er mit seinem Nichtschlafen-Protest bezwecken will. Klar gibt es die Male, wo ich ihn in den Arm nehme und er gleich wieder die Augen schliesst. Daraus schliesse ich, dass dass eigentlich müde ist. Mit ein bisschen herumtragen schläft er dann auch wieder ein und ich kann ihn zurück ins Bett legen. Das Ganze dauert mal länger, mal weniger lang. Dann gibt es aber auch die Nächte, bei denen der Kleine offensichtlich überhaupt keinen Bock mehr hat zu schlafen. Dann schaut er frisch fröhlich in der Gegend herum und spielt mit seinem Nuggi. Meine Versuche ihn zum Schlafen zu motivieren ignoriert er gekonnt. In seltenen Fällen ist auch ganz zappelig und unzufrieden wenn ich ihn in den Arm nehme.

Soll ich ihn wirklich einfach schreien lassen?

Mir ist schon klar, dass der Kleine sich mittlerweile an das Herumtragen gewöhnt haben muss und er diesen Service gerne in Anspruch nimmt, auch wenn es gerade 3-Uhr morgens ist. Für mich wäre es ein fairer Deal ihn herumzutragen bis er einschläft, wenn er im Gegenzug die ganze Nacht durchschlafen würde. Aber wir lernen gerade auf die harte Tour, dass das nicht geht. Mr. T. hält offensichtlich nichts von Kompromissen.

Also gibt es eigentlich nur zwei Lösungen: So weiter zu machen wie bisher oder ihn gar nicht mehr in den Schlaf zu wiegen, in der Hoffnung das er selber lernt wieder einzuschlafen. Letzteres ist natürlich nicht nur für den Kleinen, sondern auch für die Eltern echt heftig. Für niemanden ist es einfach seine Angewohnheiten abzulegen. Aber für den zehn Monate Alten Mr. T, der ein Drama veranstalten kann, weil er gerade einen eingeklemmten Furz hat, wäre es geradezu ein Weltuntergang, wenn man ihn von heute auf morgen einfach ins Bett legen und das Zimmer verlassen würde.

Über dieses Thema “Babies Schreien lassen”, wurden ganze Bücher geschrieben. Und auch ich, oder besser gesagt meine Frau, haben uns so ein Schrei-Strategie-Buch von Freunden ausgeliehen und gelesen. Im Wesentlichen lässt es sich wie folgt zusammenfassen: Man legt das Kind im Bett, wünscht ihm süsse Träume und verlässt das Zimmer. Danach wird in immer grösser werdenden Abständen nach dem Kleinen gesehen, um ihm zu verstehen zu geben, dass er nicht alleine ist. Gleichzeitig soll man ihm gut zureden und versuchen ihn ein bisschen zu beruhigen. Das Spielchen dauert so lange bis der Kleine eben schläft. Nach spätestens zwei Wochen verspricht das Buch, dass der Kleine von alleine schlafen kann, ohne sich die Seele aus der Brust zu schreien.

Schlaf doch einfach!

In einem Anflug von Verzweiflung haben wir genau das gemacht, was man gemäss Buch eben nicht tun sollte: Wir haben es 1x halbpatzig versucht das Kind schreien zu lassen und die Übung wieder abgebrochen. Es scheint essentiell zu sein, dass der Plan wirklich die 2 Wochen komplett durchgezogen wird, auch Nachts um 3 Uhr!  Bei uns ging es ca. 30min bis ich den Kleinen wieder in die Arme genommen habe und mich bei ihm entschuldigt habe. Es fällt mir schwer zu beschreiben, wie schlimm das für ihn war. Als würde er in Flammen stehen. Er hat sich extrem in die Situation gesteigert und liess sich kaum mehr beruhigen. Wirklich unschön!

Ich will mich gar nicht in die Diskussion einlassen, ob eine solche Schrei-Therapie für das Kind nun schädlich ist oder nicht. Einfach weil ich es nicht weiss. Genau so wenig, will ich mir aber anhören müssen, dass der Kleine uns auf der Nase herumtanzt mit seinem nächtlichen Getue. Niemand weiss nämlich was genau in seinem Kopf vorgeht. Fakt ist, Freunde von uns haben diese Schrei-Therapie mit Erfolg durchgezogen. Fakt ist aber auch, dass es 1000 Gründe gibt, weshalb ein Kind Nachts nicht schläft. Zum Beispiel weil er zahnt, Bauchschmerzen hat oder nicht gut geträumt hat etc.

Letzterer Gedanke hindert mich (noch) zu solch drastischen Massnahmen zu greifen. Wie weiss ich, dass dem Kind Nachts nichts fehlt? Will ich wirklich mein Kind alleine lassen, wenn es ihm nicht gut geht? Wenn nicht mit schreien, wie soll er sich sonst mitteilen?

Für den Moment habe ich den Masterplan noch nicht gefunden. Ich schliesse aber nicht aus, dass ich in ein paar Wochen meinen Nachbaren diesen Beitrag vorlege, um ihnen zu erklären, weshalb der Kleine Nachts stundenlang schreit.

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