Das Arschlochverhalten

Wenn Schlafmangel deine dunkle Seite ans Licht bringt. Eine Einführung in das Arschlochverhalten und wie man es in Stresssituationen besser machen könnte.

Es wird schon seine Gründe haben, dass Schlafentzug zu den bewährtesten Foltermethoden gehört. Egal ob du ein Vielschläfer bist oder mit wenig Schlaf auskommst, irgendwann brauchst auch du deinen Schlaf. Das Problem ist, dass dein Baby nichts auf deine Schlafgewohnheiten gibt. Und eins ist sicher: Früher oder später werden eure Kleinen euch foltern – 100%!

Ist schon gut, ich mach das

Schlafentzug ist aber nicht gleich Schlafentzug. Zumindest vorerst. Denn es macht schon einen Unterschied aus, ob die Kleinen nicht schlafen, weil sie einfach keinen Bock haben oder weil sie zahnen, Bauchschmerzen oder sonstige Leiden haben. Letzteres entschuldigt nämlich so Einiges. Gleiches gilt wenn ihr den Kleinen erst frisch nach der Geburt nachhause holt und ihr in der Eingewöhnungsphase seid. Du wirst sehen, in diesen Situationen ist dein Verständnis viel grösser. Du wirst gerne und ohne zu zögern deiner Frau sagen: “Schatzi, bleib liegen und ruhe dich aus. Ich mach das schon.” Du wirst den Kleinen mit Freude mitten in der Nacht in den Arm nehmen, ihn wiegen und beruhigen, bis er wieder einschläft. Wenn DU es dann geschafft hast, dass er friedlich wieder eingeschlafen ist, und ihr beide für den Rest der Nacht ruhe haben werdet, wirst du dich mit einem super ‚Job-Erfüllt-Gefühl‘ wieder ins Bett legen. Das machst du gerne für den Kleinen, auch ein zweites Mal in derselben Nacht.  Auch in der nächsten Nacht – kein Problem! Wenn es denn sein muss, auch in der Übernächsten…

Die Entstehung des Arschlochverhaltens

Nach ein paar Tagen ohne richtigen Schlaf sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Wenn das Geschrei mitten in der Nacht wieder los geht und du siehst, dass deine Frau schon auf den Weg zu ihm ist, denkst du dir still und heimlich: “Boah nicht schon wieder – zum Glück geht sie!” Wenn das Baby gerade in einer längeren ‚Nicht-Schlafen-Phase‘ ist, die sich über mehrere Wochen hinziehen kann, wird aber auch Mutti irgendwann genervt und gesteresst sein und keinen Bock mehr haben, jedes Mal den Kleinen minuten- wenn nicht stundenlang herumzutragen. Wenn dann beide soweit sind, dass ihr nur noch fix und fertig seid, ist es gut möglich, dass ihr zum Arschlochverhalten greift. Als Arschlochverhalten – hier aus Papasicht geschildert – bezeichnen wir alle Massnahmen, die ihr in jenen schlaflosen Nächten anwendet, um euch vor den nächtlichen Spaziergängen mit dem Kleinen zu drücken. Natürlich immer mit dem Ziel diese Aufgabe an Mutti outzusourcen.

Ausprägungen des Arschlochverhaltens

Der Kreativität des Arschlochverhaltens sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Der Klassiker ist natürlich sich im Bett so lange schlafend zu stellen, bis Mutti resigniert aufsteht. Am nächsten Morgen folgt dann das obligate: “War da was? Ich hab nichts gehört.” Beliebt ist auch, vor dem Schlafen gehen Anzeichen einer leichten Erkältung mitzuteilen, in der Hoffnung während der Nacht auf etwas Mitleid von Mutti zu stossen, wenn der Kleine mal wieder Theater macht. Wenn das nicht hilft, könnt ihr auf die nächste Eskalationsstufe gehen und eurer Frau von dem “sehr wichtigen Meeting” von morgen erzählen.

Das Arschlochverhalten hat aber viele unterschiedliche Ausprägungen und Facetten. Letzte Nacht zum Beispiel als Mutti mal wieder auf meine schauspielerische Höchstleistung des Schlafen-Stellens hinein fiel. Irgendwie liess er sich in dieser Nacht einfach nicht beruhigen. Nach 15 minütigen Dauergeschrei hegte ich plötzlich den Verdacht, dass Mutti ihn gezielt nicht beruhigte, damit ich auch nicht schlafen konnte. Darauf hin ging ich ins Kinderzimmer und sagte ihr, sie solle mir den Kleinen geben und wieder ins Bett gehen. Danach bin ich zwei Stunden mit ihm herumgewatschelt. Verdammt – hat sie mich ausgetrickst? Das Arschlochverhalten kann verdammt heimtückisch sein!

Besser wäre…

OK, ok… bei allem Spass gibt es definitiv bessere Methoden um mit solchen Situationen umzugehen. Tatsache ist, dass wenn ihr beide über längere Zeit nicht schlafen könnt, das extrem an der Substanz zehrt. Und da liegt meines Erachtens genau der Schlüssel (immer vorausgesetzt dem Kleinen fehlt es eigentlich an Nichts respektive ihr habt sonst alles unternommen, um ihm Linderung und Abhilfe zu schaffen). Es macht nämlich Null Sinn, dass ihr beide nicht zum Schlafen kommt. Wenn ihr also wisst, dass der Kleine gerade eine schlechte Phase hat, teilt euch auf! Geh du zum Beispiel heute in den Keller schlafen und macht es morgen umgekehrt. So kann der oder die Eine sich zumindest in der einen Nacht etwas erholen. Wenn es ganz schlimm ist, könnt ihr sogar die Nächte unterteilen. Also geht Früh ins Bett. Versucht euch nach Möglichkeit zu erholen, auch tagsüber. Und wenn ihr Ansätze des Arschlochverhaltens bei euch feststellt – lasst es sein! Ihr tut euch keinen Gefallen! Und damit auch das klar ist, ein Bierchen mehr am Abend bringt absolut nichts (habe ich auch schon probiert).

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